Austria Wien - Österreichischer Fussball Meistertitel 2001
1. Oktober 2008 | Von Bernd | Kategorie: Fan-BerichteEs war der 12.6.1991. Ich damals knackige 17 Jahre und einige Kilo leichter. Meine Freunde und ich sehnten diesen Tag schon seit Wochen herbei. Nicht nur, weil wir am Vormittag die letzten Noten für die Matheschularbeit zurückbekommen sollten (Keine Entscheidungsprüfung, wohooo!), sondern es sollte auch unser erster “echter” Meistertitel mit der Austria werden, bei dem wir so richtig live dabei sind.
Mit einem souveränen Mathe Vierer im Gepäck machten wir uns schon früh am Nachmittag Richtung Südstadt auf. Der Tag hatte also perfekt begonnen, das Wetter war traumhaft schön - es fehlte als “nur” mehr das Meisterstück.
Wir waren also schon relativ früh in der Südstadt (Badner Bahn, 1 Station Nervenkitzel pur ohne Fahrschein, eh schon wissen…), die Sonne brannte uns auf die Haut und die Nervosität begann immer größer zu werden. Je näher das Spiel kam, desto mehr fieberten wir dem Match entgegen und - ein relativ seltener Anblick für praktizierender Austrianer - immer mehr Menschen kamen ins Stadion.
Kurz vor Anpfiff war alles brechend voll und viele (Schönwetter)-Fans warteten noch bei den völlig überforderten Ordner vor dem Stadion, als das Spiel bereits angepfiffen wurde. Da entwickelten sich sicher total nette Gespräche.
Auch egal, das war uns ziemlich blunzen, wir waren mitten im Fanblock, alles war Violett-Weiß und eine übergroße Plastik-Sektflasche deutete schon so circa an, was nach dem - hoffentlich erfolgreichen - Spielende so an Alkohol fließen könnte.
Doch bis dahin war noch ein weiter, steiniger Weg. An das Spiel selbst errinnere ich mich heute nur mehr bruchstückhaft. Die Austria begann, wie schon in den Spielen davor, sichtlich nervös und bevor wir’s versahen war die Admira 2:0 vorne. Bis zur Pause war alles eine Qual und ein Wechselbad der Gefühle: Zwei Gegentore, der verschossene Elfer von Milewski bzw. sein Anschlusstreffer zum 2:1. Sehr wichtig, für die Spieler und für uns. In der 2. Halbzeit würden wir das schon biegen, so der einhellige Tenor in der Pause.
Die zweite Häfte fing an. Keine Ahnung mehr, was Prohaska seinen Schützlinge in der Pause gesagt hat, auf jeden Fall hat es geholfen. Rollende Angriffe auf das Tor von Walter Knaller. Doch der Admira Tormann wuchs über sich hinaus und hielt so circa alles was von Stöger, Flögel & Co auf, um und hinter ihm herumflog. Und die Uhr tickte. Ein Gefühl, das jeder Fussballfan kennt. Wenn man knapp hinten ist, vergehen die Minuten wie im Flug. Verteidigt man einen knappen Vorsprung ziehen sich die Sekunden dahin. Wie im Schuluntericht.
Ein Herzinfakt jagte den anderen, die Nervosität und Ohmacht begann bereits auf die Spieler überzugreifen, die immer mehr versuchten mit der, oft zitierten, Brechstange zum Erfolg zu kommen (ich persönlich hätte in diesen Minuten gerne Walter Knaller etwas mit der Brechstange bearbeitet).
Doch dann der erlösende Augenblick. Flögel, Stöger (oder umgekehrt, auch egal) passt zu Prosenik. Der zieht ab. Das Unfassbare passiert. Teufelskerl Knaller erwischt den Ball mal nicht und er (der Ball) zappelt im Netz. In den ersten Sekunden erstarren alle. Neben mir hat mein Freund Robert grad ein multiples Organversagen und röchelt vor sich hin. Dann bricht der Jubel los. Alles fliegt durcheinander. Fremde Menschen umarmen sich, tanzen, hüpfen, gröhlen und singen.
Die restlichen Minuten vergehen quälend langsam. Die Austria will nicht mehr, die Admira gibt sich nach heroischem Kampf geschlagen. Die Fans reißen die Zäune nieder. Der Schiri hat Erbarmen und pfeift nach einem weiten Ausschuß ab. Danach geht alles im Jubel unter. “We are the Champions“, Meisterteller, Spieler auf den Rücken der Fans - Alles was dazu gehört.
Für mich und für viele andere Austrianer, ist dieser Tag eigentlich noch immer der schönste Tag als Fan. An den ich mich, speziell in diesen “wundbaren “Zeiten, wo Fußball eh nix mehr mit Fußball zu tun hat, immer noch sehr gerne zurück erinnere. Prohaska, Prosenik, Stöger, Wohlfahrt, Flögel, Zsak, Pfeffer, Milewski und der Schneckerl als Trainer… Noch Tage danach war ich wie in Glückstrance. Ein Spiel, ein Tag, ein Ereignis, dass ich nie vergessen werden. Gott sei Dank, war das Biertrinken damals bei uns noch nicht so im Matchbesuch inkludiert, wie heute (jaja andere Zeiten, ich weiß), sonst…
